Mittwoch, 24. Februar 2010

Tết - Mond Neujahr

So, nach dem Weihnachten und Silvester hier nicht wirklich gefeiert wurden, hatten wir hier nach dem Mondkalender am 14.02. Neujahr. Und eigentlich muss ich zwei Wochen vorher anfangen von Neujahr zu erzählen, da alle Leute zu dieser Zeit immer sehr busy wegen Neujahr waren =P

Die Stadt hatte angefangen Hanoi für Tết zu schmücken und alle Leute haben ebenfalls angefangen ihre Häuser von Oben bis Unten zu putzen und vorzubereiten. Man konnte überall kleine Bäumchen (Orangenbäume und Aprikosenbäume) kaufen, wie bei uns zu Weihnachten den Weihnachtsbaum. Die Leute, die sich keinen ganzen Baum leisten konnten, haben nur Äste des Aprikosenbaumes gekauft. Kurz vor Tết wird auch das gesamte Haus geputzt, ausgebessert und was sonst noch dazu gehört, dass es wieder schön wird, da man an den ersten drei Tagen von Tết eigentlich nicht putzen oder fegen darf und man darf auch keinen Müll raus bringen, da es, wie so vieles hier, Unglück bringt. Natürlich steckt auch hinter diesem Brauch wieder eine Sage, wie hinter jedem anderen Brauch auch. Natürlich hält sich da so gut wie keiner mehr dran, da es einfach viel zu unhygienisch wäre. Ich hatte das Gefühl, umso näher Tết rückt, desto bekloppter fahren die Leute hier. Es war teilweise wirklich die Hölle auf den Straßen los, weil alle total im Stress waren.

Bei mir im Verlag gab es die erste Neujahrsfeier am Abend vom 04.02. Hauptsächlich ging es bei dieser Feier wieder nur ums Essen und smal-talk zu halten. Dementsprechend fand ich die Feier recht langweilig und zum Glück war sie nach 1 ½ Stunden auch wieder vorbei.

Die zweite Feier im Verlag fand dann am Morgen des 11.02. statt, bei der auch Blumen-Arrangementwettbewerb veranstaltet wurde. Ich hab auch mit zwei anderen Freiwilligen aus den USA teilgenommen. Jedoch haben wir nicht mit Blumen gearbeitet, sondern mit Gemüse. Und tatsächlich haben wir wider unserem Erwarten den dritten Platz belegt. Vor allem muss man sagen, dass die Vietnamesen zu jeglichem Anlass irgendwelche kleinen Kunstwerke mit Blumen oder Gemüse/Obst machen und es also gewohnt sind, solche Sachen herzustellen. Wogegen wir Westler es für gewöhnlich nicht gewohnt sind, so etwas zu machen. Deswegen war ich auch echt erstaunt, dass wir den dritten Platz gemacht haben. Naja, ansonsten ging es auch bei der Feier wieder nur ums Essen. Mit der Feier im Verlag haben dann auch meine Tết Ferien begonnen.


Am Samstag (13.02), also was wir in Deutschland Silvester nennen würden, wollte ich dann mit vietnamesischen Freunden in Tết reinfeiern. Allerdings bevor ich gehen konnte, wurde ich noch zum ăn Tết (Tết essen) bei den Großeltern eingeladen. Dort kam dann so ziemlich die ganze Familie von Seiten meiner Gastmutter zum Essen zusammen. Da alle wussten, dass ich noch verabredet bin, durfte ich auch recht schnell wieder gehen.

Also hatte ich mich dann mit meinen Freunden getroffen, welche aber noch einen Auftritt vor sich hatten. Der Anblick des Publikums war echt traurig, da auf einem riesigen Platz nur sehr wenige Zuschauer waren. Was aber höchstwahrscheinlich daran gelegen hat, dass zu dieser Zeit die meisten Leute zu Hause zum Essen mit der Familie waren und da es echt kalt war und es die ganze Zeit so einen ätzenden Fieselregen gab. Nachdem sie den Auftritt dann hinter sich gebracht hatten, sind wir dann in ein Cafe gegangen haben dort was getrunken und haben gewartet, um zum Feuerwerk gehen zu können. Wir sind dann also um kurz vor 24Uhr zum größten See in Hanoi gefahren und wollten uns da Feuerwerk angucken, auf welches ich mich schon riesig gefreut hatte, da es an unserem Silvester keins Gab, aufgrund eines Verbotes von Feuerwerkskörpern. Allerdings haben wir nicht wirklich viel von dem Feuerwerk gesehen, da es durch das Wetter total nebelig war und wir das Feuerwerk nur erahnen, bzw. hören konnten. Also sind wir natürlich auch nicht bis zum Ende geblieben, sondern sind stattdessen zu einer Pagode gefahren, um dort unsere Wünsche für das neue Jahr zu erbeten, wie es sehr viele Vietnamesen kurz nach Mitternacht machen. Dort angekommen wusste ich erst überhaupt nicht, was ich jetzt so genau machen soll, aber nach dem die anderen bemerkt haben, dass ich total Hilflos und Ahnungslos war, haben sie mir gesagt ich solle auch einfach beten und haben mir erklärt, wie ich das machen muss. Gesagt, getan;) Also bin ich mit rein gegangen und hab auch meine Wünsche für das neue Jahr geäußert: Gesundheit, Glück, Sicherheit, Liebe, Freundschaft und Wohlstand für meine Familie und Freunde in Deutschland, aber natürlich auch für meine Familie und Freunde in Vietnam.

Nach dem wir vor verschiedenen Altären gebetet hatten, haben wir uns einen Ast ausgesucht, den wir dann mit nach Hause genommen haben. Wenn man nach Mitternacht diesen Ast mit nach Haue nimmt, soll er Glück im neuen Jahr für das Haus bringen. Eigentlichen wollten nach dem Besuch bei der Pagode alle nach Hause gehen, da hier sogar Silvester früh endet. Da ich aber zwei Möglichkeiten von meinem Gastvater bekommen hatte, wann ich nach Hause kommen darf, wurde das nach Hause gehen für mich zu einem Problem. Ich hatte die Wahl zwischen, vor 24Uhr nach Hause kommen oder nach 3Uhr =P Ich hab mich natürlich für das zweite entschieden, da ich sonst hätte gar nicht weggehen brauchen. Ich sollte dann also um 3Uhr bei mir auf der Arbeit sein, da ich mich dort mit meinem Gastvater treffen sollte, damit er mich nach Hause fahren kann, da ich sonst nicht mehr nach Hause gekommen wäre. Zum Glück hab ich hier so liebe und zuvorkommende Freunde, sodass sie mit mir in der Kälte und im Regen gewartet haben, bis ich letztendlich um halb 3 zu meinem Gastvater gehen konnte. Bei meinem Verlag dann, hab ich auch mein erstes Lì Xì (Lucky Money) bekommen, welches an Tết und auch einige Tage danach noch an Kinder und alte Leute verschenkt wird. Dieses wird üblicher Weise in einem roten Umschlag verschenkt. Allerdings geben viele Leute es auch einfach ohne Umschlag. Auf jeden Fall hab ich mein erstes Lì Xì dann von meinem Gastvater bekommen und danach von einem Freund meines Gastvaters, den ich gar nicht kannte. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen kein Geld anzunehmen, doch wurde mir ein Tag vorher erklärt, dass man es annehmen muss, da es sonst heißt, dass man keinen Respekt vor dieser Person hat. Also hatte ich auch keine andere Wahl. Eigentlich sollte das Geld in dem roten Umschlag nur eine symbolische Geste, also des Lucky Moneys, sein, sodass viele Leute nur einen sehr kleinen Betrag verschenken, was ich persönlich auch viel schöner finde, da es dann wirklich nur um die Geste geht, und nicht um den Betrag. Natürlich sehen die meisten Kinder das nicht so und vergleichen immer ihre Beträge. Da ich natürlich über Brauch des Verschenkens von Lì Xì bescheit wusste, hab ich mich auch mit Geld und Umschlägen gerüstet, welche ich dann auch direkt am nächsten Morgen fleißig an die Kinder verteilt hab.

Ich hatte immer gedacht, dass Tết hier total das riesige, spannende und pompöse Ereignis ist, doch eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Tết ist ein Fest für die Familie und Freunde, bei dem man zur Ruhe kommt, isst und die Zeit mit der Familie genießt. Also bin ich dann mit meiner Gastfamilie an Tết und auch noch an den zwei Tagen danach, alle möglichen Verwandte und Freunde besuchen gefahren und natürlich haben wir auch ziemlich viele Leute empfangen. Es war sehr schön so viele Leute kennenzulernen, doch war es auch genauso anstrengend vom einen zum anderen Haus zu gehen und seine Wünsch zu äußern. Die üblichen Glückwünsche sind: Chúc mừng năm mới, mạnh khỏe, hạnh phúc và thịnh vượng! (Frohes neues Jahr, Gesundheit, Glück und Wohlstand)

Obwohl mich die meisten nicht kannten, wurde ich überall sehr herzlich aufgenommen und durfte mich auch über die Geste des Lì Xì freuen. Bei den Besuchen wird dann immer Tee, Schnaps oder Wein getrunken und Süßigkeiten gegessen. Ebenfalls wird ziemlich viel Bánh chưng (Neujahrskuchen) gegessen, welcher aus Klebreis und Schweinefleisch besteht. Nachdem man dann den ganzen Tag Besuche gemacht oder empfangen hat, ist man dann auch dem entsprechend voll, bzw. eventuell auch besoffen =P Man kann nämlich nur ganz schwer hier „nein“ sagen.

Am fünften Tag von Tết bin ich dann mit meiner Gastfamilie und Freunden von ihnen zu der Parfüm Pagode gefahren, wo ich letztes Jahr schon mal mit den anderen Freiwilligen war. Also musste ich um 3.30Uhr in der Nacht aufstehen, da wir schon um 4Uhr losgefahren sind. Angekommen war es so unglaublich voll, da natürlich alle Vietnamesen für das neue Jahr beten wollen. Insgesamt haben wir drei Pagoden besucht, doch zu der Hauptpagode auf dem Berg haben wir es „leider“ nicht geschafft. Anfangs wollten wir mit der Seilbahn hoch fahren, um uns den Fußmarsch zu ersparen, und hatten auch schon Tickets gekauft. Doch war die Schlange dann so lang, dass wir mindestens zwei Stunden hätten warten müssen. Also hatten wir uns dann doch entschieden zu Fuß den Berg zu besteigen, doch hatte sich das auch als recht schwierig erwiesen, da natürlich auch dort so viele Leute unterwegs waren. Die Folge von den ganzen Menschmassen war dann, dass ein Stau auf dem Weg entstand und einfach nichts mehr Vorwärts ging.

Ich hatte mir schon von Anfang an gedacht, dass wir am besten dann umdrehen und es gar nicht erst versuchen, zu warten bis der Stau sich auflöst, da es für mich Sinnlos erschien. Doch hatte das meine Gastfamilie erst festgestellt, als die absolut Panik ausbrach, da teilweise Leute umgekippt sind und Leute meinten, die gesamte Maße nach hinten zu drücken. Also sind wir letztendlich wieder runter gegangen, haben einen Rast gemacht, bei dem ich und ein paar andere geschlafen haben =P, haben eine andere Pagode besichtigt und sind dann nach Hause gefahren. Im Endeffekt waren wir dann um 21Uhr wieder zu Hause und ich war fix und fertig.

Da ich nach den Tagen dem ganzen Familienleben mal entkommen musste, obwohl ich sagen muss, dass ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, auch ein richtiges Familienmitglied zu sein, bin ich mit ein paar Freunden nach Thanh Hóa, bzw. Sầm Sơn ans Meer gefahren. Es war zwar kalt, aber trotzdem war es sehr schön das Meer zu sehen und frische Luft atmen zu können. Hin gefahren sind wir mit dem Zug und zurück mit einem kleinen Bus. Obwohl wir 5 Stunden auf Holzbänken im Zug sitzen mussten, hatte sich die Hinfahrt als komfortabler als die Rückfahrt auf weichen Sitzen herausgestellt. Wir sind nämlich mit so einem Bus gefahren, bei dem man im Mittelgang jeweils noch einen kleinen Sitz runterklappen kann. Und da so viele Leute zugestiegen sind, mussten immer zwei Leute auf diesem kleinen Mittelsitz sitzen. Wir hatten zwar Glück und hatten unsere eigenen Sitze, doch da neben uns zwei Leute auf einem Sitz saßen, wurden aus zwei Sitzen nur noch 1 ½ Sitze für uns =P Also hab ich mal so eine typische traditionelle vietnamesische Reise miterlebt.

Am Sonntag hatte ich dann meinen letzten freien Tag, den ich eigentlich auch fast nur mit schlafen verbracht hatte, da die Tết Tage echt anstrengend gewesen sind.

Seit Montag arbeite ich wieder und mich hat zum Glück auch der Alltag wieder.

So zum Schluss noch ein paar Infos zum Wetter. Die Woche vor Tết hatten wir traumhaftes Wetter. Wir hatten über 30°C und es war richtig schön heiß. Doch von heute auf morgen hat sich die Temperatur einfach mal um die Hälfte reduziert, sodass wir die letzten Tage nur so um die 15°C hatten und es wirklich wieder kalt war. Doch zum Glück ist es heute schon wieder wärmer (26°C) und die nächsten Tage sollen wir wieder um die 30°C haben =D

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