Heute (16.09.09) war mein erster richtiger Tag in Ha Noi. Ich musste schon um 7Uhr aufstehen, da ich heute schon mit der Arbeit im Verlag angefangen habe. Mein Gastvater, mein Gastbruder und ich haben dann heute Morgen zusammen gefrühstückt. Es gab so was Ähnliches wie Milchbrötchen, die mit irgendetwas Süßem gefüllt waren, und extrem süße Milch aus Tüten. War schon ein bisschen komisch, aber im Großen und Ganzen hat es ganz lecker geschmeckt.
Danach sind wir dann mit dem Roller los gefahren. Da wir meinen Gastbruder noch in den Kindergarten bringen mussten, sind wir zu dritt auf dem Roller gefahren. Der kleine saß ganz vorne, dann mein Gastvater und dann ich. Ist schon sehr seltsam, aber ich mein es hat ja funktioniert und außerdem transportieren die Vietnamesen auf ihren Rollern noch ganz andere Sachen (Schränke, große Spiegel etc.). Als wir den kleinen am Kindergarten abgeliefert hatten sind wir weiter zum The Gioi Verlag gefahren, dort wo ich jetzt arbeite und mein Gastvater auch. Den Verkehr kann man gar nicht richtig beschreiben, aber auf einem Roller ist es noch viel krasser zu fahren als in einem Auto. Ich werde mal versuchen den Verkehr zu filmen und auch online zustellen. Wirkliche Verkehrsregeln gibt es hier nicht, wobei sich aber zum größten Teil an die Rotphasen gehalten wird, aber auch nicht immer. Hier gibt es an den Ampeln Countdowns, die runterzählen bis die jeweilige Phase zu ende ist. Aber so etwas wie einen rechts oder links Verkehr gibt es hier nicht. Die fahren einfach kreuz und quer, wie sie gerade Lust haben und wie es gerade passt. Als Europäer mag man gar nicht meinen, dass diese Art des Verkehrs wirklich funktioniert, aber es klappt erstaunlich gut.
Was aber ein wenig nervig ist, aber da muss ich mich wahrscheinlich dran gewöhnen, dass man die ganze Zeit angestarrt wird, als käme man von einem anderem Planeten. Allerdings hab ich doch schon einige Nicht-Asiaten hier gesehen, aber denen geht’s wahrscheinlich genauso wie mir.
Naja, als wir dann im Verlag angekommen waren, war fast noch keiner da. Ich müsste eigentlich auch erst um 9Uhr anfangen, aber da mein Gastvater schon um 8Uhr da sein muss, muss ich halt mit ihm fahren. Aber auch nur solange, bis ich mir zu traue alleine mit dem Bus zu fahren. Wird wahrscheinlich auch noch mal sehr interessant werden.
Ich wurde also direkt an meinen Arbeitsplatz gebracht, wo ich erst einmal im Internet surfen konnte, da ich zu Hause im Moment nicht mit meinem Laptop ins Internet komme.
Als nächstes wurde mir der Chef vorgestellt, welcher zum Glück fließend Englisch spricht, genauso wie auch mein Betreuer. Dann hab ich Bücher bekommen, die meine Vorgängerin (an der Stelle schöne Grüße an Diep) bereits übersetzt hat. Mi und ich werden diese Bücher zu ende übersetzten, da es sich um eine Serie von Büchern handelt, die über die meist gestellten Fragen über die Vietnamesische Kultur ist.
Eigentlich hätte ich heut noch nicht mit dem Übersetzten anfangen müssen, aber ich hatte ja sowieso nichts zu tun. Ich werde die Bücher von Englisch auf Deutsch übersetzten.
In dem Verlag arbeiten noch eine Mädchen aus Frankreich, welche in Deutschland studiert hat, eine aus Amerika und noch ein älterer Mann aus Amerika. Ich glaub da kommen noch welche hinzu, aber das waren die, die ich bereits kennen gelernt hab.
Ich werde auch mit Mi und noch einem anderen Mädchen abwechselnd Englisch an ein paar Verlagsmitarbeiter unterrichten. Heute musste ich es schon, unvorbereiteter Weise, machen, aber zum Glück war Mi noch mit dabei. Ich werde mich heute auch schon mal drauf vorbereiten, falls ich morgen wieder unterrichten muss.
Um 12Uhr gibt es immer Mittagessen im fünften Stock, oder höher, des Verlages. Dort essen dann alle Mitarbeiter. Nach dem Essen machen viele ein Mittagsschläfchen auf Feldbetten oder machen irgendetwas anderes. Mi und ich sind ein bisschen durch die Stadt gelaufen und haben uns umgeguckt. Im Nachhinein, wäre es doch besser gewesen hätte ich geschlafen, da ich danach beim übersetzten fast eingeschlafen bin. Die Pause geht insgesamt bis 14Uhr. Normalerweise muss ich nur bis 16.30Uhr arbeiten, aber da ich wieder auf meinen Gastvater warten muss, musste ich doch bis 17Uhr arbeiten.
Als wir nach Hause gekommen sind, hab ich ein wenig mit meinem kleinen Gastbruder gespielt. Mir wurde schon gesagt, dass er mich wohl sehr gern hat, was ich auch daran merke, dass er gar nicht mehr von meiner Seite weichen möchte. Er ist auf jeden Fall total niedlich. Ich versteh ihn zwar nicht und er mich nicht, aber irgendwie klappt das schon. Er ist zwar auch einige Male etwas lauter geworden, weil ich ihn einfach nicht verstanden hab und ihn das anscheinend genervt hat.
Um 19Uhr gibt es immer Abendessen, was sehr lecker ist. Und meine Gastfamilie versucht auch schon fleißig mir vietnamesisch beizubringen, was manchmal nach hinten losgeht=), weil ich es einfach nicht verstehe.
Was ich sehr erstaunlich finde ist, dass die Kinder eigentlich fast den ganzen Tag in der Schule sind. Sie gehen von morgens bis nachmittags in die Schule, dann sind sie für eine Weile zu Hause und dann gehen sie bis spät Abends in die Schule, ich glaube bis 21Uhr, oder so. Hier wird sehr viel Wert auf eine gute Bildung und Erziehung gelegt.
Heute hat es fast den ganzen Tag geregnet, aber ich finde das eigentlich ganz angenehm, dann kommt nämlich ein bisschen kühle Luft in mein Zimmer. In jedem Zimmer hier stehen mindestens zwei Ventilatoren, was auch dringend nötig ist.
Gestern Abend hat es noch richtig heftig geregnet und gewittert. Mein erstes Unwetter hier in Vietnam…
Ich hab mich sehr darüber gefreut, als ich heute erfahren hab, dass ein Freund aus Deutschland (schöne Grüße an Duy) im Moment auch hier in Ha Noi zum arbeiten ist. Das heißt, er kann mir dann mal ein bisschen die Stadt zeigen und ich hab ein vertrautes Gesicht hier. Denn die anderen Freiwilligen von uns, also eigentlich alle bis auf Mi, leben zusammen in einem großen Haus und ich hab keine Ahnung wo, denn ich hab von denen noch nichts wieder gehört. Ich hoffe das wird sich bald ändern. Was ich nicht gedacht hätte war, das mein Gastvater mir erlaubt mich mit anderen Leuten zu treffen. Ich glaub meine Gasteltern sind ziemlich locker drauf und versuchen mir so gut es geht meinen Freiraum zu lassen. Meine Gastmutter schickt mich immer hoch in meine Zimmer. Ich bin mir noch nicht sicher, ob sie das macht, weil sie mich nicht unten haben will, oder weil sie mir Zeit für mich zum ausruhen geben will. Ich hoffe einfach mal, dass das zweite zutrifft, denn ich hab es schon einige Male dankend abgelehnt.
Auf jeden Fall fühle ich mich Heute schon besser als Gestern und hoffe einfach mal, dass ich mich schnell einleben werde und das hier als mein zurzeit neues Zuhause ansehen kann.
Meine Gastfamilie sagt mir ja auch, dass ich mich einfach wie zu Hause fühlen soll.
Ich hoffe, dass ich es morgen schaffen werde, meinen Blog zu erstellen um die Einträge endlich online stellen zu können.

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